Landesarmutskonferenz Berlin


Enorm wachsende Lebenshaltungskosten, Inflation und steigende Energiepreise bei schon lange unzureichenden Grundsicherung führen zu einer eklatanten Unterschreitung des Existenzminimums. Da sind die aktuellen Einmalleistungen und Kinderzuschläge nur ein Tropfen auf den heißten Stein. Wir, als Landesarmutskonferenz Berlin, fordern eine sofortige Erhöhung der Regelsätze unbeschadet der Einführung eines angemessenen Bürgergeldes. An dieser Stelle führen wir Gespräche mit Vertreter*innen unserer Mitglieder, die täglich für Armutsbetroffene aktiv sind und ihre Stimme erheben. 

Gespräch mit Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer (Vizepräsidentin des Sozialverbandes Deutschland)

Wie erleben Sie die derzeitige Situation?

Wir sehen mit großer Sorge, dass Armut und Armutsgefährdung bereits seit dem letzten Jahr weiter zu nimmt. Berlin ist dabei besonders stark betroffen. Dies verschärft sich immer mehr durch die anhaltend hohe Inflation um 8 Prozent für die normale Lebenshaltung. Zusätzlich explodieren die Kosten für Energie auch in den privaten Haushalten. Damit nimmt die soziale Spaltung weiter zu und erfasst immer mehr auch die soziale Mitte unserer Gesellschaft.

 

Wie reagieren Sie als Sozialverband Deutschland darauf? 

Wir nutzen die uns verfügbare Einflußnahme, um auf die besondere Betroffenheit der vulnerablen Personengruppen hinzuweisen: Menschen in höherem Lebensalter, mit Behinderungen; Alleinerziehende; Migranten und Flüchtlinge. Zudem haben wir als SoVD sowie mit verschiedenen Netzwerken unsere Vorschläge an die Politik herangetragen. Dazu gehören insbesondere: Erhöhung der Energiepreispauschale und Einbeziehung der Rentner/innen; Erhöhung der Regelsätze für die Grundsicherung auf mindestens 650 €; Sofortige Leistung eines Zuschusses für Empfänger von Grundsicherung von 100€ im Monat; Einführung einer Kindergrundsicherung. 

 

Was müsste sich aus Ihrer Perspektive sofort ändern – gibt es eine Forderung?

Mit dem VdK bereiten wir dazu eine Klage gegen die verfassungswidrigen Berechnungen der Regelsätze vor, die wir bis zum Bundesverfassungsgericht bringen werden. Umgehende Maßnahmen sind: Zahlung der Energiepreispauschale auch an die 21 Mio Rentner/innen; Zahlung eines Inflationsgeldes nach Einkommen gestaffelt; Zahlung von 100€ im Monat an Empfänger von Grundsicherung; Erhöhung der Regelsätze für die Grundsicherung auf mindestens 650€ bei der anstehenden Einführung des Bürgergeldes. Wir brauchen weitere Entlastungsmaßnahmen möglichst umgehend.

 

Vielen Dank für das Gespräch Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer vom https://www.sovd-bbg.de, 27.07.2022)

 


Gespräch mit Sabine Werth (Vorstand Berliner Tafel e.V.)

Wie erleben Sie die derzeitige Situation - kommen mehr Menschen und fragen um Hilfe?

Ja, seit März 2022 steigt die Nachfrage rapide. Kamen im Februar 2022 noch rund 40.000 Menschen monatlich in unsere Ausgabestellen, waren es im Mai bereits 66.000. Hinzu kommt, dass der Bedarf bei den sozialen Einrichtungen ebenfalls steigt, mittlerweile unterstützen wir mehr als 400 Vereine und Organisationen. Die Ursache sehen wir ganz klar in der Inflation und dem Krieg. 

 

Wie geht Sie mit der Situation um, wie reagieren Sie darauf? 

Wir organisieren so viele Lebensmittelspenden wie möglich und haben darüber hinaus noch acht vorübergehende Ausgabestellen eingerichtet.

 

Was müsste sich aus Ihrer Perspektive sofort ändern – gibt es eine Forderung? 

Die Hartz IV-Sätze beziehungsweise das kommende Bürgergeld müssen den tatsächlichen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Wir wissen doch alle, dass die bisherigen Sätze schon lange unterhalb des Bedarfs liegen, jetzt kommt die Inflation noch dazu und die Menschen wissen überhaupt nicht mehr, wie sie über die Runden kommen sollen. Die staatlichen Maßnahmen müssten gezielter für einkommensschwache Menschen geleistet werden und nicht per Gießkanne auch an die, die sich das Leben auch bei gestiegenen Kosten noch gut leisten können.

 

Vielen Dank für das Gespräch Sabine Werth von der https://www.berliner-tafel.de, 22.07.2022)

 


Gespräch mit Prof. Dr. Susanne Gerull bei ZDF WISO

"Die Situation ist wirklich schon sehr dramatisch. Wir haben gerade die aktuellsten Zahlen des statistischen Bundesamtes erhalten, dass 2021 jeder 6 Mensch in Deutschland arm war. Und das sind fast 14 Millionen Menschen...die Schwierigkeiten haben angesichts der vielen Krisen Lebensmittel kaufen zu können, ihre Miete zu zahlen, ...einkommensarme Menschen sind besonders betroffen von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen."

 

Das gesamte Interview von Prof. Dr. Susanne Gerull (Fachgruppe Armutsbegriff & Alice Salomon Hochschule Berlin) ist unter dem folgenden Link zu sehen ist: https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/wiso-vom-11-juli-2022-100.html

 


FILM - Mietschulden? Und Du sollst raus aus der Wohnung? Du kannst etwas tun!

Wir haben einen Film zum Thema Mietschulden auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Polnisch, Rumänisch erstellt. Den ihr hier auf unserer Seite sehen könnt unter: https://www.lak.berlin/mietschulden/

 



Gemeinsam gegen Armut und Ausgrenzung

Armut hat viele Gesichter. Und sie findet oft im Verborgenen statt. Dort, wo man sie nicht sieht – und wo es auch leicht ist, wegzuschauen. Und das, obwohl Armut immer wieder auch in der Mitte der Gesellschaft entsteht.


Die Landesarmutskonferenz setzt sich seit Jahren dafür ein, diese Armut sichtbar zu machen. Den aus Scham schweigenden Menschen eine Stimme zu geben. Denn wo Öffentlichkeit herrscht, können sich diejenigen nicht mehr wegducken, die etwas an der Armut anderer ändern könnten: Regierungen, Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen. Dabei geht es uns nicht primär darum, andere an den Pranger zu stellen. In erster Linie wollen wir konkret helfen, die Armut dort zu bekämpfen, wo sie schon existiert. Und dort zu verhindern, wo sie zu entstehen droht.


Wer sind wir?
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Sie wollen helfen?
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Unsere Fachgruppen
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Erfolgreich ist, was Armut lindert

Die Landesarmutskonferenz ist kein Ort der lauten Töne. Jedenfalls nicht in eigener Sache. Wichtig ist, dass unsere Aktivitäten zum Ziel führen. Zum Beispiel ...

... sachkundige Informationen. Ein Problem der vielen Facetten von Armut ist allen gemeinsam: sie finden oft im Verborgenen statt. Denn lange nicht jeder Obdachlose schläft zerlumpt auf einer Parkbank.

 

Armut ist viel, viel mehr als die rein finanzielle Einkommensarmut. Und es ist auch die Scham, die viele Menschen davon abhält, offen über ihren Zustand zu sprechen. Wir haben über die Jahre eine Menge praktischer Erfahrung gesammelt und informieren umfassend über alle Formen der Armut. Zum Beispiel im Rahmen des Kongresses Armut und Gesundheit, an dem wir seit Jahren regelmäßig teilnehmen.

 

Wir zeigen die Verbindungen zwischen Armut und den Lebenssituationen, die sich daraus entwickeln. Denn nur so finden wir vernünftige Lösungen für die zum Teil prekären Lagen vieler armer Menschen.

 

In unseren Positionspapieren bündeln wir Forderungen und detaillierte Informationen – jederzeit relevant für politische Entscheider, den Senat und diverse Verwaltungen.


Wie kann der Verlust der eigenen Wohnung verhindert werden?

 

Ende 2016 erschien unsere Broschüre zum Thema Mietschulden und drohender Wohnungslosigkeit.

 

Diese kann weiterhin in unserer Geschäftsstelle in der Wilhelmstraße 115 bezogen werden. 

 

ACHTUNG: Bei Interesse rufen Sie uns gerne an oder schreiben uns eine Mail: 030-690 382-75 info(at)landesarmutskonferenz-berlin.de  

 

Vielen Dank!


… Einbindung der Ausgegrenzten. Viele Menschen, die sich innerhalb der Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben fühlen, ignorieren ein wichtiges Grundrecht: das Recht auf Wahlen.

 

„Was bringt das schon?“ „Die machen doch eh, was sie wollen!“ – so lauten oft die Argumente gegen eine Wahlbeteiligung. Dass es auch anders geht, zeigt unsere Initiative WIR KOMMEN WÄHLEN! Wir organisieren Foren zur öffentlichen Diskussion, laden Direktkandidat*innen ein, fördern den direkten Dialog zwischen Bürger*innen und Politiker*innen. Wir motivieren zur Wahl und helfen so, die Menschen wieder ein Stück an die Gesellschaft heranzuführen, aus der sie sich ausgegrenzt fühlen.

 

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... Beratung von Hartz-IV-Empfänger*innen. Die Berliner Jobcenter ersticken in Formularen, Anträgen, Unterlagen. Wenn dann auch noch unkundige oder gar unwillige Bearbeitung dazukommt, leiden genau die Falschen. Denn Hartz IV ist kein Gnadenbrot, sondern ein staatlich verbriefter Anspruch. Wie schludrig mitunter mit diesem Anspruch umgegangen wird, zeigen zwei Zahlen: 2012 wurden sage und schreibe 15.000 Bescheide Berliner Jobcenter vom Sozialgericht gekippt – mindestens teilweise. Gut jede zweite Klage war damit juristisch berechtigt.

 

Wir helfen, Bescheide zu überprüfen und gegebenenfalls Rechtsmittel einzulegen. Informieren Sie sich gerne unter www.beratung-kann-helfen.de.